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16.08.2007 von [OWIH]MadTom
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#1: Die Gelegenheitsexzentriker.
Gerade fand zum wiederholten mal Street Parade in Zürich statt. Da lohnt es sich doch allemal, hierzu einige Gedanken zu verschwenden. Denn wenn sich immer noch alljährlich Sonderzüge voller solariumsgebräunter Junggebliebener in Stringtangas ans Limmatufer karren lassen, um sich dort zu zahllosen Derivaten ein- und derselben Best-Of-the-90s Technoscheibe ins Delirium zu schütteln, so scheint es sich dabei eben doch um ein bemerkenswertes kulturelles Ereignis zu handeln.
Bei genauerem Hinsehen wird jedoch ziemlich schnell klar, dass die Street Parade nichts weiter ist als ein halbherziger Nostalgikertreffen für all diejenigen, die für die wilden 60er zu jung und/oder zu gutbürgerlich sind. Dies zeigt sich in aller Deutlichkeit, wenn man sich auf der offiziellen Homepage der Veranstaltung die Mottos der vergangenen Spektakel zu Gemüte führt: Peace, Love und Happiness wo man hinsieht. Da scheint es wenig zu stören, dass bereits die Pioniere dieses simplen Problemlösungsansatzes haben zusehen müssen, wie ihre Ideale gnadenlos von der Realität überrollt wurden und sich die einstigen Blumenkinder schliesslich als Stockbroker im Armanianzug mit Alimentenzahlungen, Antitrustverfahren und Herzinfarkten herumschlagen mussten.
Aber heute ist man ja hip und ironisch und überhaupt nur an ausgesuchten Events auf dem Flowerpowertrip; Achsel- und Schambehaarung wurden durch Intimpiercings und Arschgeweih ersetzt, die Binsenweisheiten einstiger Protestsongs mussten englischen Stumpfsinn-einzeilern zwischen Bassgewummer weichen und Fransenjacken wurden zu Hotpants und Plüsch-BH. Da feiert dann der Bankkaufmannslehrling mit Federboa neben dem bunt bemalten Landwirt in drogen- oder alkoholverstärkter Eintracht, damit man dann ruhigen Gewissens gemeinsam klammheimlich die SVP wählt und sich für den Rest des Jahres wieder mit gegenseitiger Geringschätzung begegnen kann... wenigstens bis zur Fasnacht, wo wir's dann wieder alle zusammen sauglatt haben und uns abermals gegenseitig unseren übersprühenden Individualismus und unsere kosmospolitische Grundhaltung durch synchrone Kostümierung und übermässigen Alkoholgenuss beweisen. Viva la Revolution!
Aber zurück zur eigentlichen Veranstaltung die hier abgehandelt werden soll, denn da gibt's noch einiges festzustellen. So war das Motto in diesem Jahr „Protect and respect yourself“... was durchaus nicht einer gewissen Ironie entbehrt, führt man sich die zuckenden, zugedröhnten, halbnackten Hedonisten und Selbstdarsteller auf den Umzugswagen vor Augen. Den Selbstrespekt scheint man da doch wohl vorher abgeben zu müssen, bevor man auf den zum Lifestyle-Megaphon umfunktionierten Tieflader klettern darf, um die Engelsflügelchen zu präsentieren, die man sich in den Monaten zuvor mühsam mit Heissleimpistole, alten Kleiderbügeln und Kopfkisseninhalt zusammengebastelt hat.
Natürlich meint der Veranstalter das aber ganz anders und mäandert im Erläuterungstext zum Motto von väterlich-herablassenden Warnungen vor Drogen und Alkohol zum ziemlich vorhersehbaren Aufruf zur Toleranz allen Mitmenschen gegenüber bis hin zu den eigenen ökologischen Heldentaten. In Anbetracht der Tatsache, dass das ganze Event hauptsächlich aus Plastik und Strom besteht, sind „klimaneutrale Lovemobiles“ und ein „Erfolgreiches Abfallvermeidungskonzept“ natürlich aber schon gewichtige Argumente. Letzteres habe ich übrigens, hier sei mal etwas Eigenlob angebracht, aktiv unterstützt, in dem ich der Veranstaltung auch dieses Jahr ferngeblieben bin. Mit «We gotta protect our world, with all the respect we have in us» bringt die Webseite den Respekt zur Umwelt in holprig-esoterischer Manier auf den Punkt... allerdings ist schon zu bezweifeln, ob diese Kumbaya-Stimmung und der Weltverbessererenthusiasmus inmitten von krachenden Subwoofern, Alkoholvergiftungen und blanken Brüsten die volle Distanz bis zum verkaterten After-Party Ende mitzugehen vermochte.
Aber was solls, man kann sich ja dann immer noch die Live-Earth DVD kaufen.
so, war mir grad nach rumstänkern. Wenn's gefällt, hau ich gerne wieder mal in die Tasten... ansonsten hamwa wenigstens mal wieder einen neuen Artikel.
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